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Schockmonat für den Dollar – Wird sich die US-Währung stabilisieren?

Wer als Europäer vor zwei Jahren Urlaub in den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht hat, der konnte sich freuen. Der Dollar war extrem schwach. Für einen Euro gab es 1,38 Dollar. Heute gibt es mit 1,14 Dollar fast 25 Cent weniger. Weil ein Urlaub in den USA spielend einen vierstelligen Betrag verschlingt, reist der vergleichsweise starke Dollar ein spürbares Loch in die Urlaubskasse. Touristen überlegen sich also zweimal, ob sie nach New York fliegen oder doch lieber Urlaub auf Mallorca machen.

Foto: David Smart – 335397047 / Shutterstock.com

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Der vergangene März war für den Dollar kein guter Monat. Institute wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs prognostizierten sogar schon zu Beginn des Jahres 2015 eine Parität, also dass es für einen Euro einen Dollar geben wird. Auch noch vor einem halben Jahr gingen Experten von der Währungsgleichheit aus, von der man heute weit entfernt ist. Im März verlor die US-Währung gegenüber allen wichtigen Währungen der Welt. Devisenanleger müssen den schwächsten Monat für den Dollar seit fünf Jahren verkraften.

Betrachtet man den Bloomberg Dollar Spot Index, der den Greenback mit zehn anderen Weltwährungen vergleicht, wird deutlich, dass der Dollar seit Anfang März etwa 3,5 Prozent verlor. Gab es Ende November des vergangenen Jahres für einen Euro noch 1,06 Dollar, liegt der Kurs heute bei 1,13 Dollar.

Überraschend schwacher Dollar

Die Schwächung der Weltleitwährung kam für viele Marktbeobachter überraschend. Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Ende 2015 eine erste Erhöhung des Leitzinses vorgenommen hatte, rechneten Analysten mit einem Anstieg der Währung.

Grund für den schwächelnden Dollar ist auch die Wende, die die Fed in der bisherigen Zinspolitik einleitete. Während Institute wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Bank of Japan (BoJ) die Zinsen weiterhin um den Nullpunkt halten oder sogar Negativzinsen erheben, mit dem Ziel die Wirtschaft anzukurbeln, hat die US-Notenbank den Leitzins erstmals seit langem nicht gesenkt, sondern erhöht.

Verstärkt wurde der schwache Greenback durch die Ankündigung der Fed den Zinssatz langsamer als gewohnt steigen zu lassen. Statt wie bisher vier werden es in diesem Jahr wohl nur noch zwei Zinsanhebungen geben. Weil der Dollar aber mit weniger stark steigenden Zinsen an Attraktivität verliert, steht die Währung unter Druck, was wiederrum dem Euro einen Aufschwung bescherte. Der Eurokurs stieg zum Dollar auf den höchsten Stand seit Oktober 2015.

Experten rechnen nicht mit Aufwertung des Dollars

Dass die US-Währungshüter bei der Anhebung des Leitzinses vorsichtig vorgehen, liegt an der weltweit lahmenden Konjunktur. Die Fed will, dass sich die Finanz- und Rohstoffmärkte sowie die weltweite Wirtschaftslage zunächst stabilisieren, bevor die Zentralbank weiter handelt. Die Kursverluste des Dollars stützten zuletzt den Ölpreis.

Experten rechnen deshalb vorerst nicht mit schnellen weiteren Schritten in der US-Zinswende. Einer Umfrage von Bloomberg unter Devisenhändler zeigt, dass kaum einer der Befragten mit einer Zinserhöhung im April rechnet. An eine Zinssteigerung im Juni glauben nur 28 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Die Präsidentin der Fed, Janet Yellen, sagte kürzlich vor dem Economic Club of New York, dass der Dollar nicht aufwerten dürfe, weil dadurch der Export und die Entwicklung in der verarbeitenden Industrie zurückgehen und die Preissteigerung gebremst würde. Die Experten von CMC Markets rechnen auch aufgrund dieser deutlichen Aussage damit, dass die amerikanische Notenbank alles dafür tun wird, dass der Dollarkurs in Zukunft nur langsam sinkt.

Auswirkungen des Dollarkurses auf die Wirtschaft

Ein starker Dollar, gleichbedeutend mit einem schwachen Euro, bedeutet zwar eine hohe Kaufkraft für US-Amerikaner im Ausland, aber auch eine niedrige Wettbewerbsfähigkeit für US-Unternehmen. Bei einem starken Dollar sind die Produktionskosten in den Staaten nämlich im Vergleich zu anderen Ländern hoch, was zeigt, dass ein starker Euro ökonomisch auch nachteilig sein kann. Es lohnt sich für Unternehmen eher, die Herstellung ins Ausland zu verlagern. Gleichzeitig werden Importe für die USA günstiger. Deshalb sinken die Rohstoffpreise häufig bei einer Aufwertung.

Ist der Dollar schwach, bekommt man für einen Euro also verhältnismäßig viel der US-Währung. Exporte aus den USA sind deshalb billig. Das freut die US-Wirtschaft, weil das Ausland viel bei ihr einkauft. Die Unternehmen produzieren gern im eigenen Land und verkaufen günstig in die ganze Welt. Importe allerdings werden für die Amerikaner teurer, oft steigen deshalb die Rohstoffpreise.

Außerdem kurbelt ein schwacher Greenback den Tourismus an, weil Ausländer für ihre eigene Währung viele Dollar erhalten. Der USA-Urlaub ist also günstiger als bei einem starken Dollar. Die US-Amerikaner selbst hingegen verlieren an Kaufkraft im Ausland. Sie machen deshalb eher Urlaub im eigenen Land, was wiederum der heimischen Wirtschaft zugutekommt.

Kategorie:   Finanzen